Ina Hacheney Mentalcoaching

Positionierung finden als Gründerin: So wirst du klar (ohne dich zu verbiegen)

Du willst gründen oder bist in den ersten Jahren selbstständig – und merkst: Ohne Positionierung wird alles wackelig. Du hast Ideen, kannst viel, willst helfen… und trotzdem fühlt sich Marketing manchmal an wie Nebel: Du gibst dir Mühe, aber es kommt nicht klar zurück, was genau du machst und für wen.

Und weißt du was? Das ist nicht „du bist noch nicht gut genug“, sondern ganz normal. Positionierung ist kein Etikett, das man einmal anklebt. Sie ist eher wie ein Kompass: Du richtest dich aus, gehst los, sammelst Feedback – und justierst nach. Genau so entsteht Klarheit, ohne dass du dich verbiegen musst.

Inhalte des beitrags

Warum Positionierung so wichtig ist (und warum sie oft schwerfällt)

Positionierung macht drei Dinge leichter:

  • Kundinnen verstehen schneller, ob du ihnen helfen kannst.
  • Du triffst Entscheidungen einfacher (Angebot, Content, Preise, Kanäle).
  • Du wirst sichtbarer, weil du klarer kommunizierst.


Schwer wird’s oft, weil viele Gründerinnen glauben, sie müssten von Anfang an „perfekt“ sein: perfekte Zielgruppe, perfektes Angebot, perfekter Satz. In der Realität entsteht eine gute Positionierung selten am Reißbrett – sondern durch Erfahrung, Gespräche und kluges Nachjustieren.

Was Positionierung wirklich bedeutet

„Wenn du deine Positionierung als Gründerin klar formulierst, werden Angebot, Marketing und Kundengewinnung spürbar leichter“.

Positionierung ist im Kern die Antwort auf drei Fragen, die deine Kundin sofort versteht:

  • Wem hilfst du?
  • Wobei genau?
  • Wofür stehst du – und was wird dadurch leichter/besser?


Alles andere hängt daran. Wenn der Kompass stimmt, wird auf einmal erstaunlich viel einfacher.

Die 3 häufigsten Denkfehler bei der Positionierung

Denkfehler 1: „Ich muss mich sofort auf DIE eine Nische festlegen.“

Viele Gründerinnen denken, Positionierung bedeutet: „Ich entscheide mich heute für eine Nische – und die gilt dann für immer.“
Nope.

Positionierung ist am Anfang eher ein Startpunkt als ein Endpunkt.
Du brauchst nicht die perfekte Nische. Du brauchst eine klare Richtung, die du testen kannst: Wer soll dich verstehen? Wobei hilfst du? Und welches Ergebnis machst du wahrscheinlicher?

Wenn du dich zu früh zu eng einsperrst, wird’s künstlich. Und wenn du zu weit offen bleibst, wirst du unsichtbar. Die Lösung liegt dazwischen: klarer Fokus für den Start und dann mutig nachjustieren, sobald du echtes Feedback hast.

Also: Nicht für immer entscheiden – sondern für den nächsten Schritt.

Denkfehler 2: „Ich kann so viel, also muss ich auch alles zeigen.“

Gerade wenn du vielseitig bist, fühlt es sich unfair an, nur über einen Ausschnitt zu sprechen. Aber genau hier kippt Marketing oft ins Chaos.

Denn wenn du alles kommunizierst, passiert meistens eins:
Deine Wunschkundin denkt nicht „Wow, die kann viel!“ sondern: „Ich weiß nicht, ob das wirklich für mich ist.“ Ganz nach dem Motto: Wenn du italienisch essen willst, gehst du nicht in ein griechisches Restaurant!

Für deine Positionierung zählt nicht, was du alles kannst, sondern was du in einem konkreten Problemfeld wirklich gut lösen kannst. Du darfst vielseitig sein – aber deine Kommunikation braucht einen roten Faden.

Daher: Vielseitigkeit im Hintergrund, Klarheit nach außen.

Denkfehler 3: „Ich darf mich erst zeigen, wenn meine Positionierung perfekt ist.“

Die fiese Falle: Du willst Klarheit, also wartest du. Und während du wartest, bekommst du kein Feedback. Und ohne Feedback… wird’s nicht klarer.

Klarheit entsteht nicht durch Grübeln, sondern durch Tun. Positionierung entwickelst du, indem du:

  • Gespräche führst,
  • kleine Angebote testest,
  • Inhalte veröffentlichst,
  • und beobachtest, was für deine Zielgruppe passt.


Du musst nicht „fertig“ sein, um dich zu zeigen. Du musst nur ehrlich starten, und bereit sein, die nächsten 10% besser zu werden.

Sichtbarkeit ist kein Ergebnis von Klarheit, sie ist der Weg dahin.

Mini-Übergang:
Wenn du dich in einem dieser Punkte wiedererkennst: Willkommen im echten Gründungsleben. 😉
Und jetzt machen wir es praktisch.

Schritt-für-Schritt: Positionierung in 45 Minuten (Dein Kompass-Quickstart)

Hol dir einen Kaffee, nimm dir Papier oder ein Dokument – und geh diese 5 Schritte einmal durch. Wichtig: Nicht zerdenken. Erstmal hinschreiben. Du baust dir hier einen ersten Kompass, keine „endgültige Wahrheit“.

Damit du siehst, wie das für ganz verschiedene Geschäftsmodelle funktioniert, findest du unter jedem Schritt kurze Beispiele (Friseursalon, Handwerk, Coaching, Finanzberatung). Nimm das, was zu dir passt – und formuliere es in deinen Worten.

Persönlicher Einblick: Als Gründerin den eigenen Weg finden

Besonders am Anfang entsteht viel durch Ausprobieren: Welche Angebote passen wirklich zu mir? Welche Kundinnen möchte ich anziehen? Und wie präsentiere ich mein Business authentisch nach außen? Diese Antworten findet man selten am Schreibtisch – sondern im Tun.

Bei meiner ersten Gründung 1994 war es zum Beispiel so, dass ich anfangs dachte, ich müsse unbedingt das perfekte, für alle passende Angebot haben. Das ging schief 😊. Und auch später in der Selbstständigkeit war ich immer mal wieder an dem Punkt, an dem viele Selbstständige stehen: „Alleine am Schreibtisch, raten ohne die Zielgruppe zu befragen und am Ende ein Angebot haben, das niemand kauft“.

Schritt 1: Für wen bist du da?

Beantworte:

  • In welcher Phase ist deine Wunschkundin / dein Wunschkunde?
  • Wo lebt sie/er (lokal oder online)?
  • Was ist typisch für ihren/seinen Alltag, Druck, Ziele?

Beispiele (branchenübergreifend gedacht):

  • Friseursalon (lokal): „Berufstätige Frauen (30–55) im Umkreis, die wenig Zeit haben und trotzdem gepflegt aussehen wollen.“
  • Handwerkerin (lokal): „Privatkund:innen im Umkreis, die eine zuverlässige Umsetzung ohne Baustellenstress wollen.“
  • Coachin (online/lokal): „Frauen, die sich verzetteln und wieder Klarheit und Struktur brauchen.“
  • Finanzberaterin: „Frauen, die ihre Finanzen endlich verstehen und selbstbestimmt entscheiden wollen – ohne Druck und Fachchinesisch.“

Schritt 2: Welches Problem löst du?

Beantworte:

  • Woran scheitern Menschen im Alltag immer wieder?
  • Was kostet sie das (Zeit, Energie, Geld, Nerven, Selbstvertrauen)?
  • Was ist der Satz, den deine Kundin vermutlich sagen würde?


Beispiele:

  • Friseursalon: „Ich will einen Look, der im Alltag funktioniert – aber ich will nicht jedes Mal stundenlang im Bad stehen.“
  • Handwerkerin: „Ich will renovieren, aber ich habe keine Nerven für Chaos, Unzuverlässigkeit und Überraschungskosten.“
  • Coachin: „Ich drehe mich im Kreis, denke zu viel und komme nicht ins Tun.“
  • Finanzberaterin: „Ich habe Angst, etwas falsch zu machen – und schiebe das Thema deshalb vor mir her.“

Mini-Tipp: Schreib das Problem bitte so, wie Menschen es wirklich sagen – nicht so, wie es in einer Broschüre stehen würde.

Schritt 3: Welche Veränderung ermöglichst du?

Beantworte:

  • Was ist nach deiner Leistung konkret anders?
  • Was wird leichter?
  • Woran merkt man es im Alltag?


Beispiele:

  • Friseursalon: „Schnitt/Farbe sitzt typgerecht, leicht zu stylen – ich fühle mich wieder wohl und sicher.“
  • Handwerkerin: „Das Projekt läuft planbar, sauber und transparent – am Ende ist es fertig und ich hatte keinen Dauerstress.“
  • Coachin: „Ich habe Klarheit, treffe Entscheidungen und setze um – ohne mich innerlich ständig zu blockieren.“
  • Finanzberaterin: „Ich habe einen verständlichen Plan und weiß, was ich tue – das gibt Sicherheit und Ruhe.“


Mini-Tipp: Gute Positionierung beschreibt nicht nur „was du machst“, sondern was dadurch möglich wird.

Schritt 4: Warum du?

Viele lassen diesen Punkt aus – und genau da liegt oft der Unterschied. Denn am Ende entscheiden sich Menschen nicht nur für eine Methode. Sie entscheiden sich für Vertrauen und das Gefühl: „Die/der versteht mich – und ich bin hier in guten Händen.“

Frag dich:

  • Was ist typisch „du“ in der Zusammenarbeit?
  • Was können Kundinnen bei dir erwarten, dass sie woanders oft vermissen?
  • Was ist dein Ansatz (z. B. Tempo, Stil, Werte, Ablauf)?

Beispiele:

  • Friseursalon: „Ehrliche Beratung, ruhige Atmosphäre, alltagstaugliche Looks statt Trend um jeden Preis.“
  • Handwerkerin: „Klare Kommunikation, transparente Angebote, saubere Übergabe – zuverlässig, pünktlich, planbar.“
  • Coachin: „Tiefe Fragen + klare Struktur: Wir arbeiten am Mindset und gehen trotzdem ins Umsetzen.“
  • Finanzberaterin: „Ich übersetze Finanzsprech in klare Schritte – transparent, ohne Druck, nachvollziehbar.“


Mini-Tipp
: Dein „Warum du“ ist oft nicht nur Fachwissen – sondern die Art, wie du arbeitest.

Schritt 5: Bau deinen Positionierungssatz (dein erster Kompass-Satz)

Nutze diese Vorlage:

Ich unterstütze [Zielgruppe] dabei, [Problem] zu lösen, damit sie [Ergebnis] erreichen – durch [Ansatz/Methode].

Und jetzt: vier Beispiele, damit du das Prinzip siehst (bitte nicht kopieren – nur als Orientierung):

  • Friseursalon: „Ich unterstütze berufstätige Frauen im Umkreis dabei, einen typgerechten Look zu bekommen, der im Alltag leicht funktioniert,  damit sie sich gepflegt und sicher fühlen –  mit ehrlicher Beratung und Schnitten, die wirklich zu ihnen passen.“
  • Handwerkerin: „Ich unterstütze Privatkund:innen dabei, Renovierungen stressfrei umzusetzen –  damit sie ein sauberes Ergebnis ohne Baustellenchaos bekommen, durch klare Kommunikation, transparente Planung und zuverlässige Ausführung.“
  • Coachin: „Ich unterstütze selbstständige Frauen, die sich verzetteln und innerlich unter Druck stehen, dabei Klarheit zu gewinnen und wieder handlungsfähig zu werden, mit Coaching, das Tiefe und Struktur verbindet.“
  • Finanzberaterin: „Ich unterstütze Frauen, die sich in Finanzthemen unsicher fühlen, einen verständlichen Plan für Vorsorge und Vermögensaufbau zu entwickeln –  damit sie selbstbestimmt entscheiden können. Transparent, Schritt für Schritt und ohne Druck.“

     

Wichtig: Dein Satz muss nicht perfekt sein. Er muss aussprechbar sein. Wie ein Kompass, der dir Richtung gibt – nicht wie ein Gesetzbuch.

Bonus (wenn du noch 5 Minuten hast): Der Realitäts-Check

Damit Positionierung nicht nur schön klingt, sondern funktioniert:

  1. Sag deinen Satz drei Menschen. Verstehen sie in 10 Sekunden, was du machst?
  2. Poste ihn (oder die Kurzversion) 2 Wochen lang in deinem Content. Kommen passendere Anfragen?
  3. Wenn nicht: justiere zuerst Zielgruppe oder Problem – nicht alles gleichzeitig.


Wenn du dafür Feedback aus deiner Zielgruppe sammeln willst, hilft dir mein Beitrag: Positioniere dein Angebot als Gründerin: 10 Fragen, die dir Klarheit für Angebot und Positionierung bringen

 

Mini-FAQ: Häufige Fragen zur Positionierung

Muss ich mich am Anfang schon festlegen?

Nein. Du brauchst einen klaren Startpunkt, den du testest – und dann schärfst. Positionierung ist Entwicklung, nicht Gefängnis.

Was, wenn ich mehrere Themen kann?

Dann wähle für den Start das Thema, das am meisten Nachfrage hat und dir am meisten Energie gibt. Den Rest kannst du später als Ergänzung aufbauen.

Was, wenn ich Angst habe, Menschen auszuschließen?

Du schließt nicht Menschen aus – du machst es den Richtigen leichter, „Ja“ zu sagen.

Fazit

Positionierung ist nicht etwas, das du einmal „fertig“ machst. Sie ist ein Prozess – aber du kannst ihn heute beginnen: mit einem klaren Startsatz, einem testbaren Angebot und echtem Feedback.

Positionierung ist nicht nur Marketing. Es ist Selbstführung.

Wenn du als Nächstes wirklich herausfinden willst, was deine Zielgruppe denkt, fühlt und braucht, dann lies weiter:
Beitrag 3: Zielgruppe befragen – gute Fragen für Klarheit & Angebot

Ina Hacheney Strategiecoaching

Professionelle Unterstützung

Wenn du merkst, du drehst dich beim Thema Positionierung im Kreis – dann lass uns da gemeinsam Ordnung reinbringen. Nicht mit noch mehr Theorie, sondern mit einem klaren Blick von außen, den richtigen Fragen und einem Plan, der zu dir passt.

Das könnte dich auch interessieren