Ein Mini-Leitfaden für Gründerinnen – und für Unternehmerinnen, die ihren Kompass regelmäßig nachjustieren wollen.
Egal ob du einen Salon, eine Praxis, ein Handwerksbusiness, ein Beratungsangebot oder ein Coaching aufbaust: Die Mechanik ist immer gleich – du brauchst echte Stimmen aus deiner Zielgruppe. Wenn du ein Angebot baust, ohne mit deiner Zielgruppe zu sprechen, ist das wie Navigieren ohne Kompass. Lass uns das ändern.
Ich sehe das ständig: Da wird wochenlang am Angebot gefeilt, und ein einziges Gespräch mit der Zielgruppe hätte in 15 Minuten mehr Klarheit gebracht.
Inhalte des beitrags
Warum Zielgruppenbefragung deine Abkürzung ist
Viele Gründerinnen bauen Angebote im Kopf. Das ist verständlich – aber riskant. Denn ohne Feedback passiert oft eins:
- Das Angebot ist „nett“, aber nicht dringend.
- Die Kommunikation bleibt vage („Ich helfe bei…“).
- Sichtbarkeit kostet Kraft, weil du nicht weißt, was wirklich triggert.
Eine gute Befragung sorgt für:
- klare Positionierung (Wem hilfst du, wobei, warum du?)
- greifbare Angebotsbausteine (Inhalte, Dauer, Format)
- bessere Sprache (du nutzt die Wörter deiner Kundinnen)
- schnellere Verkäufe, weil du echte Probleme triffst
Die 3 goldenen Regeln, damit es funktioniert
- Frag Menschen, die wirklich zu deinem Thema passen (oder passen könnten). Und ja, Freundinnen sind toll, aber für ein ehrliches Marktfeedback sind sie manchmal zu lieb😊
- Frag nach konkreten Situationen, nicht nach Meinungen.
- Werte aus, bevor du weiter planst. Sonst bleibt es „nur interessant“.
Welche Methode passt zu dir?
Du hast drei einfache Optionen – alle funktionieren:
Option A: Mini-Interviews (am stärksten)
15–20 Minuten per Telefon/Zoom oder Sprachnachricht + Rückfragen.
Perfekt, wenn du lokal arbeitest oder hochwertige Dienstleistungen hast.
Vorteil: Du hörst Tonfall, Emotion, echte Worte.
Option B: Kurz-Umfrage (am schnellsten)
Google Form mit 6–10 Fragen.
Perfekt, wenn du schnell viele Rückmeldungen willst – online oder vor Ort.
Vorteil: Skalierbar, gut für Muster.
Option C: Kombi (mein Favorit)
Erst Umfrage → danach 2–3 Interviews mit spannenden Antworten.
Mein Favorit, weil du Überblick und Tiefe bekommst.
Vorteil: Du bekommst Daten und echte Aha-Momente.
So findest du passende Menschen (ohne dass es komisch wirkt)
- Netzwerke, lokale Gruppen, Insta/LinkedIn, Freundesfreunde, ehemalige Kolleginnen
- Kundinnen (wenn du schon welche hast)
- „Fast-Kundinnen“ (die interessiert waren)
Mini-Text zum Anschreiben (copy & paste):
„Ich entwickle gerade mein Angebot und möchte es wirklich passend machen. Darf ich dir 10–15 Minuten ein paar Fragen stellen? Es geht nicht ums Verkaufen – ich sammle nur Erfahrungen und Wünsche. Als Dankeschön schicke ich dir gern die wichtigsten Erkenntnisse.“
Die besten Fragen für deine Zielgruppenbefragung
Du kannst diese Fragen sowohl für Interviews als auch als Umfrage nutzen. In Interviews stellst du am besten Nachfragen wie: „Was genau meinst du damit?“ oder „Wann war das zuletzt so?“
Wichtig: Du kannst jede Frage auf dein Modell übersetzen.
Im Salon/Praxis/Handwerk geht es oft um Vertrauen, Ablauf, Zeit, Ergebnis und Verlässlichkeit.
In Beratung/Coaching/Finanzen geht es häufig um Klarheit, Sicherheit, Entscheidung und Umsetzung.
Die Fragen funktionieren für beide Welten.
Block 1: Ausgangssituation & Kontext
- In welcher Situation steckst du gerade (Gründung / 0–3 Jahre / Umbruch)?
- Was ist gerade deine größte Herausforderung – ganz konkret im Alltag?
- Seit wann hast du dieses Thema – und was hast du schon versucht?
Block 2: Schmerz & Kosten (super wichtig fürs Angebot)
4. Was kostet dich das Problem aktuell? (Zeit, Energie, Geld, Nerven, Selbstvertrauen)
5. Woran merkst du, dass es dich wirklich belastet? (Beispiel aus der letzten Woche)
Block 3: Wunschbild & Lösung
6. Wenn das Problem gelöst wäre: Was wäre dann anders? (Woran würdest du es merken?)
7. Was wünschst du dir von einer Unterstützung/Begleitung? (z. B. Struktur, Klartext, Motivation, Feedback, Tools)
Block 4: Kaufkriterien & Angebot (Gold!)
8. Woran würdest du eine gute Lösung erkennen? (Qualität, Ablauf, Ergebnis)
9. Was müsste passieren, damit du sagst: „Ja, das buche ich“?
10. Welche Form wäre für dich realistisch? (1:1 / Gruppe / online / vor Ort / Dauer)
Optional (richtig stark fürs Copywriting):
11. Welche drei Wörter würdest du benutzen, um dein Problem zu beschreiben?
12. Welche drei Wörter würdest du für deine Wunschlösung nutzen?
Bist du dir unsicher, wie du so eine Befragung überhaupt aufsetzt – wen du fragen solltest, welche Fragen wirklich sinnvoll sind oder wie du es so machst, dass du ehrliche Antworten bekommst?
Wenn du willst, begleite ich dich dabei.
Mini-Interviewleitfaden (15 Minuten, super simpel)
So kannst du Interviews führen, ohne dich zu verheddern:
- Ich stelle dir 8–10 Fragen, dauert ca. 15 Minuten.“
- Frage 2 (größte Herausforderung) → nachhaken: „Wann war das zuletzt?“
- Frage 4 (Kosten) → „Was nervt dich daran am meisten?“
- Frage 6 (Wunschbild) → „Woran würdest du das merken?“
- Frage 9 (Kaufkriterium) → „Was wäre ein No-Go?“
- Abschluss: „Darf ich dich informieren, wenn das Angebot steht?“
Auswertung in 20 Minuten: So machst du aus Antworten Klarheit
Du brauchst kein kompliziertes Tool. Mach’s so:
Schritt 1: Markiere wiederkehrende Wörter
- Schmerz-Wörter (z. B. „verzettelt“, „überfordert“, „unsicher“, „Zeitdruck“)
- Wunsch-Wörter (z. B. „Klarheit“, „Plan“, „Sicherheit“, „Struktur“, „endlich starten“)
Schritt 2: Sortiere in 3 Spalten
Problem – Wunsch – Hindernis
Beispiel:
- Problem: „zu viele Ideen“
- Wunsch: „klare Linie“
- Hindernis: „alleine, kein Feedback, Angst vor Fehlentscheidung“
Schritt 3: Mach daraus Angebot & Content
- Top 3 Probleme = deine Content-Säulen
- Top 3 Wünsche = deine Versprechen/Ergebnisse
- Top 3 Hindernisse = deine Methodik (warum du es anders machst)
So leitest du direkt deine Positionierung ab (ohne Grübeln)
Nimm das Muster, das am häufigsten kam, und setz es in diesen Satz:
Ich unterstütze [Zielgruppe] dabei, [Problem] zu lösen, damit sie [Wunsch/Ergebnis] erreichen – durch [deinen Ansatz].
Siehe auch meinen Blog-Beitrag zu „Positionierung finden als Gründerin…“
Typische Fehler (damit du sie nicht machst)
- Zu viele Fragen (lieber 8–10 richtig gute)
- Nur Freunde fragen, die nett sind, aber nicht Zielgruppe
- Nach „Würdest du kaufen?“ fragen (führt oft zu netten Antworten statt Wahrheit)
- Nicht auswerten → dann bleibt es spannend, aber ohne Wirkung
Fazit
Zielgruppenbefragung ist keine Extra-Aufgabe – sie ist dein Fundament. Sie spart dir Zeit, Geld und Nerven, weil du nicht mehr raten musst. Und sie bringt genau das, was du am Anfang am meisten brauchst: Klarheit.
Und noch was: Das ist kein „Gründungs-Tool“, das man einmal abhakt. Klarheit ist kein Geistesblitz. Klarheit ist das Ergebnis von guten Fragen. Ich empfehle Unternehmerinnen, ihren Kompass mindestens einmal im Jahr zu kalibrieren – weil sich Zielgruppen, Märkte und Bedürfnisse leise verändern, und man sonst irgendwann knapp daneben zielt.
Professionelle Unterstützung
Bist du dir unsicher, und wünschst dir Unterstützung bei der Formulierung, Durchführung oder der Auswertung, damit daraus eine klare Positionierung, ein stimmiges Angebot und die richtigen Content-Themen entstehen?
Ich begleite dich sehr gern dabei.


